Knoblauch

Scharfe Knolle

Die Heilpflanze wehrt Schädlinge und Pilze ab. Ihre ­Schutzstoffe können auch dem Menschen helfen

Die kalifornische Kleinstadt Gilroy gilt als Welthauptstadt des Knoblauchs. Mehr als vier Millionen Menschen besuchten seit 1978 das alljährlich stattfindende Gilroy Garlic Festival, eines der größten Knoblauch-Feste der Welt. Jahr für Jahr werden dort mehr als zwei Tonnen frischer Knoblauch an den unzähligen Ständen zu Köstlichkeiten verarbeitet. Selbst aus Wassermelonen, Schokolade und Eiscreme zaubern die Köche in Gilroy Spezialitäten mit dem markan­ten Gewürz.
Ursprünglich kommt die scharfe Knolle aus Zentralasien. Im Zuge des Trends zu mediterraner und ori­en­ta­li­scher Küche hat sie in den vergangenen Jahrzehnten auch bei uns stark an Beliebtheit gewonnen. Seit jeher gilt sie nicht nur als geschätzte Küchen­zutat, sondern auch als Heilmittel. Bereits der antike griechische Arzt Dio­skurides empfahl Knoblauch gegen Bisse gifti­­ger Schlangen oder tollwütiger Hunde, aber auch gegen Würmer und bei Hus­­ten.
Bis heute hat sich die zu der Gattung Allium gehörende Pflanze als Arznei bewährt. Weil nur geringe Mengen davon verzehrt werden, fällt ihr hoher Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen kaum ins Gewicht. In­teressant sind jedoch ihre schwefel­­haltigen Verbindungen, denen Wissenschaftler eine Reihe positiver Effekte zuschreiben. Bekannt und relativ gut erforscht ist die keimtöten­de Wirkung des Allicins und der verschiedenen Polysulfane, die heute sogar in der Landwirtschaft zur biologi­schen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. Die Pflanze hat im Lauf der Evolution diese antimikrobiellen Substanzen entwickelt, um Schädlinge, Pilze und Fressfeinde abzuwehren.
Wie der Knoblauch dagegen im Menschen wirkt, ist noch zu wenig erforscht. Studien zeigten in den vergangenen Jahren einen möglichen positi­ven Effekt auf das Herz-Kreislauf- und das Immunsystem. Laborversuche legen außerdem nahe, dass Knoblauchextrakte nicht nur manche Bakterien, sondern auch verschiedene Pilze und Würmer bekämpfen.
Wissenschaftler untersuchen zudem, ob Knoblauch vielleicht vor grippalen Infekten schützt und sogar das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen senkt. Doch auch wenn die bislang durchgeführten Studien interessante Ergebnisse lieferten, haben sie nicht genügend Aussagekraft, um konkrete Therapieempfehlungen auszusprechen. In gewissem Maß ist auch Vorsicht angeraten, denn hoch dosierte Knob­lauch­extrakte können manche lebensnotwendigen Medikamente ungünstig beeinflussen, beispielsweise Blutverdünner und Mittel gegen HIV-Infek­tionen.
Die Biochemie der scharf schmecken­den Zehen haben die Forscher inzwischen ein wenig besser verstanden. Beim Abbau der Schwefelverbindun­­gen im Körper entsteht unter anderem Schwefelwasserstoff. Genau wie Stickstoffmonoxid wirkt dieser gasförmige Signalstoff auf die Epithelzellen der Blutgefäße, was zu einer Entspannung der Gefäße führen kann. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass Krebszellen empfindlicher auf Schwefelverbindungen reagieren als gesunde Körperzellen. Ob das auch in ausreichendem Maß im menschlichen Organismus stattfindet, wissen die Forscher noch nicht.
Sicher ist, dass der Genuss von Knoblauch einsam machen kann. Denn bisher hat sich keines der vielen Hausmittel als wirklich effektiv gegen den penetranten Geruch erwiesen. Da bleibt dann nur, gemeinsam mit dem Gegenüber ein deftiges Knoblauch­gericht zu genießen.

 
06.08.2014, Bildnachweis: Thinkstock/Hemera

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